1428

Eine feine Gesellschaft.

1428Die erste urkundliche Erwähnung
Die Geschichte unserer Schützengesellschaft ist untrennbar mit der Stadt Celle verbunden. Das genaue Gründungsjahr liegt im Dunkeln – Kriege und behördliche Verbote haben die ursprünglichen Unterlagen im Laufe der Jahrhunderte verschlungen. Was uns bleibt, ist der älteste erhaltene Nachweis: eine Erwähnung im Schatzregister der Großvogtei Celle aus dem Jahr 1428.

SpätmittelalterDie Anfänge der Bürgerwehren
Im Spätmittelalter waren drei Institutionen für die Sicherheit der Städte verantwortlich: die Stadtknechte, die Landesknechte und die freien Bürgerwehren. Die Stadtknechte entsprachen in etwa unserer heutigen Polizei. Die Landesknechte waren bezahlte Söldner, die ihre Dienste dem Höchstbietenden anboten. Die Bürgerwehren hingegen griffen nur im Ernstfall zu den Waffen und gingen ansonsten ihren zivilen Berufen nach – entsprechend lose war der Zusammenhalt in ihren Reihen.

Das änderte sich mit der Unterstützung der ortsansässigen Zünfte und Gilden: Die Schützengilden wurden zu einer straffen Organisation waffenfähiger Männer. In den großen Städten bewahrten diese bewaffneten, teils uniformierten Gilden über das gesamte Mittelalter bis ins frühe 18. Jahrhundert hinein die Macht und Unabhängigkeit ihrer Städte.

1579Das erste Schützenfest
Im 14. und 15. Jahrhundert herrschte auf den Landstraßen weithin Gesetzlosigkeit – funktionierende Bürgerwehren waren für die Städte unverzichtbar. Sie besetzten die Torwachen und kontrollierten Reisende wie Fuhrleute mit Argwohn. An den Hauptstraßen vor den Stadttoren entstanden daraus Krüge, in denen Abgewiesene und verspätete Ankömmlinge Unterkunft fanden. Aus diesen Ansiedlungen wuchsen die Vorstädte – und mit ihnen die Vorstadt-Bürgerschützenvereine.

Der damals herrschende Herzog Georg Wilhelm war ein großer Befürworter des Schützenwesens. Auf seinen Erlass hin wurde am 30. Juni 1579 das erste Schützenfest gemeinsam von Hof und Bürgern gefeiert. Auch ein Schützenhaus soll zu dieser Zeit bereits bestanden haben.

17. JahrhundertDunkles Zeitalter
Es folgte eine Zeit, die weder Anlass noch Gelegenheit für Feierlichkeiten oder Schießveranstaltungen bot. Die Pest – der „Schwarze Tod“ – und der Dreißigjährige Krieg belasteten die Bevölkerung in ganz Europa. Auch die Bürgerschaft Celles stand unter dauerhafter Waffenbereitschaft. Dass der Stadt eine Plünderung erspart blieb, verdankte sie nicht zuletzt den Bürgerwehren.

Für die Blumläger Schützengesellschaft bedeuteten diese Jahre eine schwere Belastung. Der Durchzug schwedischer, kaiserlicher, bayerischer und französischer Truppen brachte hohe Kontributionen, Zwangseinquartierungen, Plünderungen und Brandschatzungen mit sich. Die Bevölkerungsverluste waren enorm – unsere Vorfahren wurden arg in Mitleidenschaft gezogen.

Ein wichtiges Datum in der Geschichte des Celler Schützenwesens ist die Veröffentlichung der ersten Schützenordnung am 14. Juni 1626. Sie regelte das Freischießen der Bürger – ohne Unterscheidung zwischen Privatpersonen und Vereinen – sowie deren Privilegien. Die Bürger mussten jederzeit bereit sein, mit eigenen Waffen den Landesherrn zu schützen. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, wurde das regelmäßige Freischießen eingeführt.

Nach Ende des Krieges genehmigte Herzog Georg Wilhelm am 22. Januar 1666 den Bau des neuen Schützenhauses – jenes Gebäude, das bis heute Bestand hat.

18. JahrhundertVerbot der Schützenfeste
Im 18. Jahrhundert begannen die Schützenfeste, in wüste Gelage und Raufereien auszuarten. Besonders in Hannover und Celle verliefen sie zunehmend geräuschvoll. Mit der Verordnung vom 21. Januar 1713 wurde das Montags- und Ochsenschießen daher grundsätzlich verboten – bereits seit dem 4. Juli 1710 war das Schützenfest in kleineren Städten und Flecken untersagt. Trotz zahlreicher Eingaben ließ sich die Rücknahme der Verordnung nicht erwirken.

Erst als auch bei der Jugend Ausschreitungen auftraten und ein vollständiges Verbot aller Schießveranstaltungen drohte, wurden die Gilden und Altschützen bei der Regierung vorstellig. Diese wollte die Verordnung nur zurücknehmen, wenn während der Veranstaltungen ein Militärkommando anwesend sei. Die Schützen protestierten – sie könnten durchaus selbst für Ordnung sorgen. So entstanden am 1. April 1738 die ersten drei uniformierten Bürger-Schützen-Kompanien. Zwei Offiziere aus ihren Reihen hielten fortan während jedes Festes Wache und sorgten auf Patrouillen für die nötige Ordnung.

Doch bereits im Jahr 1803 verboten die französischen Besatzer sämtliche Veranstaltungen in Celle. Wer seine Waffe nicht abgab, dem drohte sogar die Todesstrafe. Erst 1813, nach der Vertreibung der Franzosen, durfte das Schützenfest wieder stattfinden – unter behördlicher Genehmigung und strengen Auflagen.

19. JahrhundertDas Jahrhundert der Veränderungen
Im Jahr 1828 unternahmen die Celler Schützen den ersten Versuch, ein gemeinsames Schützenfest aller Schützengilden und -vereine auszurichten. Nach einem wohlmeinenden Probelauf wurde das Vorhaben wieder verworfen – zu groß waren die Unterschiede in den militärischen Traditionen und den Reglements der einzelnen Gesellschaften.

Am 12. April 1851 stellte das königlich hannoversche Finanzministerium die Auszahlung von Prämien und Privilegien für die Schützenkönige ein. Die Begründung: „Städtische Schützenfeste sind Privatbelustigungen der Bürger.“

Nach der politischen Umwälzung in der Region untersagte das preußische Militärfiskus, den Wildgarten weiter für Schützenfeste zu nutzen – an seiner Stelle sollte ein militärischer Exerzierplatz entstehen. Dabei hatten die Schützen die Zusage des damaligen Herzogs, den Wildgarten auf alle Zeiten nutzen zu dürfen. Als Entschädigung wurden ihnen 1900 Taler ausgezahlt: 100 Taler flossen in Unkosten, 1300 Taler spendeten die Schützen an die Schulgemeinde Blumlage, der Rest ging in die Vereinskasse. Die Zinsen daraus werden bis heute für das Schützenfest verwendet. Das letzte Fest im Wildgarten fand im Jahr 1874 statt.

Am 1. Januar 1871 strich der preußische Domänenfiskus den staatlichen Zuschuss von vier Talern pro Tonne Märzenbier. Die Spannungen zwischen dem preußischen Kaiserreich und den hannoversch fühlenden Einwohnern waren so groß, dass selbst die Neustädter Bürgerschützen unter polizeilicher und militärischer Aufsicht standen.

In den Jahren 1876 bis 1878 feierten die Blumläger ihr Schützenfest im städtischen Schützenhaus. Heimisch wurden sie dort jedoch nicht – die Veranstaltung verlegte sich bald wieder in den Gasthof „Zum Schwarzen Bären“.

1914 – 1928Die Gestaltung des heutigen Schützenfestes
In den schweren Kriegsjahren des Ersten Weltkriegs (1914 – 1918) standen die Vorstände der Celler Schützengesellschaften vor einer schweren Aufgabe. Fehlende Mitglieder und hohe Kosten drohten das Celler Schützenwesen in den Verfall zu treiben. Die Wahl bestand zwischen einem gemeinsamen Neubeginn und dem wirtschaftlichen Untergang – letzteres hätte das Ende des Celler Schützenwesens bedeutet.

Ein Ende stand nicht zur Debatte. Also verstärkten die Gesellschaften ihre Bemühungen, ein gemeinsames Volks- und Heimatfest auf die Beine zu stellen. Bereits im Jahr 1923 führten intensive Einigungsversuche zu ersten Erfolgen: Die Gesellschaften Altenceller Vorstadt und Hehlentor schlossen sich der Altstadt an und feierten 1926 das erste gemeinsame Fest. Nach Abschluss weiterer Verhandlungen gesellte sich auch die Neustadt hinzu. Das Jahr 1928 markiert damit einen Meilenstein des Celler Schützenwesens – und bis heute feiert die Stadt ihr Fest auf dem gemeinsamen Schützenplatz mit großer Verbundenheit.

1927Schießklub der Altenceller Vorstadt
Am 4. Dezember 1927 schritt eine kleine Gruppe Schützen zur Tat: In einer eigens einberufenen Versammlung beim Schützenbruder Wilhelm Bothe gründeten sie den Schießklub der Altenceller Vorstadt.

1933 – 1945
Kriegszeit

Wie das gesamte deutsche Schützenwesen wurde auch unsere Gesellschaft ab 1933 von der nationalsozialistischen Gleichschaltung erfasst.

Mit Kriegsbeginn 1939 kam das reguläre Vereinsleben zum Erliegen. Schützenfeste fanden nicht mehr statt. Der 1939 proklamierte König Hans Schenkemeyer blieb deshalb zehn Jahre im Amt.

Nach 1945 verboten die alliierten Besatzungsmächte zunächst alle uniformierten Schützenvereine.

Ab 1950Nachkriegszeit – heute
Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurde das Verbot der Schützenvereine wieder aufgehoben – das Ausschießen während der Schützenfestzeit konnte wieder wie gewohnt stattfinden.

Im Herbst 1950 folgten die Blumläger Schützen einem Aufruf zum Freihandwettschießen nach Braunschweig. Bis dahin war das Freihandschießen mit dem Luftgewehr im Verein nicht ausgeübt worden. Trotz der Niederlage im Wettbewerb war das Interesse an dieser Schießart geweckt – und so wurde im Frühjahr 1951 die Freihandgruppe gegründet.

Die jüngste Sparte unserer Schützengesellschaft ist die Damengruppe. Sie wurde am 31. Januar 2009 im Vereinslokal Krohne gegründet. Seither pflegen unsere Schützenschwestern die Traditionen des Schützenwesens mit.

Jährlich wird während des Schützenfestes die Damenbeste in einem vereinsinternen Wettbewerb mit dem Luftgewehr ausgeschossen. Die Siegerin wird mit Königskette und Königsscheibe geehrt.

Seit 1428. Seit fast sechs Jahrhunderten.